Orgeln und Kirche

Kirchenbezirk St. Martin

Der Kirchenbezirk liegt am nord-östlichen Rand des Dorfkerns. Die Pfarrkirche St. Martin, die St. Anna- oder Beinhauskapelle, die Ölbergkapelle und die profanen Bauten Pfarrhaus, Sigristenhaus und Pfarrhelferhaus mit Kirchplatz und Friedhof bilden diesen Bezirk. Ausgrabungen haben belegen, dass die erste Kirche in der Zeit um 700 nach Christus erbaut worden ist. Die heutige Erscheinung und Grösse der Kirche wurde nach dem Dorfbrand von 1799 realisiert. Die St. Anna-Kapelle wurde Ende des 16. Jahrhunderts erbaut. Erste Zeugnisse der Ölbergkapelle stammen aus dem 6. Jahrhundert.


Pfarrkirche St. Martin

Die bestehende Pfarrkirche St. Martin wurde in den Jahren 1602/07 vom Luganeser Baumeister Roccho Ruggia erbaut. Mit beschränkten Mitteln und Entfaltungsmöglichkeiten schuf er in der deutschsprachigen Schweiz die erste frühbarocke Kirche nach italienischen, vorab römischen Vorbildern. Sowohl die Umfassungsmauern dieses Baus und ihre Gestaltung, mit ihren prachtvollen Fensterumrahmungen und dem Südportal, als auch im Innern der Raumeindruck des mächtigen, tonnenüberwölbten Langhaussaals mit den sich unterordnenden Seitenkapellen haben sich erhalten. Auch von der Ausstuckierung des Innern, für welche Altdorf im 17. Jahrhundert das früheste Deutschschweizer Beispiel darstellt, haben sich wesentliche Teile und Strukturen erhalten. In solcher Pionierleistung nimmt die Pfarrkirche Altdorf in der Schweizer Sakralarchitektur nördlich der Alpen einen wichtigen Stellenwert ein. Nach den Brandschäden von 1799 erfolgte eine Wiederherstellung, die dem Kirchenraum eine höchst qualitätvolle klassizistische Ausgestaltung und Ausstattung verlieh.
Ein besonderer Vorzug der Pfarrkirche besteht weiter darin, dass auch der zugehörende Umraum bewahrt blieb, mit zwei Kapellen, dem Beinhaus und dem Ölberg, und dem Friedhof samt seinen Zugangsbauten. Alle entstanden im Rahmen der Erneuerung des Kirchenkomplexes um und nach 1600.
(Text aus Schweizerischem Kunstführer GSK, Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Helmi Gasser, 2008)





Hauptorgel
Kirche St. Martin

An der 1802 wiedererrichteten Orgelempore enthalten die Brüstungsfelder reizvolle Stuckgebinde mit Musikinstrumenten (J.J. Moosbrugger 1803); südlich Horn und Flöte, Schalmei und Laute, nördlich Geige mit Bogen, Trompete mit Schalmei. Im Orgelbereich sitzt auf der Brüstung noch ein reich mit dekorativen Schnitzereien verziertes Gitter auf, ein 1814 entstandenes Werk des Kapuzinerbruders Heinrich Degrange. Als Entgelt lieferte die Pfarrkirche den neuen Boden ins Refektorium des brandbeschädigten Kapuzinerklosters. Das neunteilige Orgelgehäuse der Carlen-Orgel von 1806-1809, gefertigt von Schreinermeister Joh. Jos. Bär, Schnitzereien von Br. Heinrich Degrang wurden beibehalten (Registererweiterung 1873-1876 durch Orgelbauer Joh. Jos. Jauch, Altdorf, weitere Ausbauten 1904 und 1914 durch Friedrich Goll, Luzern). In ihrem Aufbau, mit zwei schlanken Seitentürmen, nimmt der Orgelprospekt Rücksicht  auf die grosse Festerrose der Westfront. (Text aus dem Schweizerischen Kunstführer GSK, Gesellschaft für Schweizerische Kirchengeschichte, Helmi Gasser, 2008)


Chororgel
Kirche St. Martin

Die von der katholischen Kirchgemeinde im Jahr 2022 neu erworbene Orgel aus Privatbesitz ist ein von Mathis Orgelbau im Jahre 1969 erbautes Instrument. Sie hat ein Manual mit vier Registern (Rohrflöte 8’, Principal 4’, Gemshorn 2’ und Mixtur 1’) und ein Pedal mit eigenem Subbass 16’-Register, dazu eine Pedalkoppel. Die Traktur ist mechanisch. Die Flügeltüren zeigen Wappen der einstigen Besitzerfamilien mit den Heiligen Remigius von Reims und Hedwig mit der Kirche Stansstad in ihrer Hand. Die Mathis Orgelbau AG hat die Orgel in die Kirche St. Martin übertragen und generalüberholt. Die Orgel steht nun auf einem fahrbaren Podest.